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Kultur & Sport

Inklusives Surf-Camp

Bereich Sport und Inklusion, Evangelische Stiftung Alsterdorf

Alsterdorf, Hamburg

Gruppe von Surfern in Neoprenanzügen am Strand versammelt, bunte Surfboards liegen daneben, Meer und blauer Himmel.

Sport verbindet Menschen, fördert Gesundheit und schafft Gemeinschaft. Doch insbesondere Menschen mit Behinderung und ältere Menschen stoßen häufig auf Barrieren, die ihnen den Zugang zu Bewegung und Sport erschweren. Inklusive Sportangebote ermöglichen körperliche Aktivität, stärken das Selbstbewusstsein und fördern soziale Teilhabe. Ziel ist es, allen Menschen unabhängig von Alter oder individuellen Voraussetzungen einen gleichberechtigten Zugang zum Sport zu ermöglichen. Der Bereich Sport und Inklusion der Evangelischen Stiftung Alsterdorf engagiert sich seit über zehn Jahren für dieses Ziel, gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfer*innen. Mit unserem Inklusiven Surf-Camp möchten wir Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen und besonders Menschen, die erschwerte Zugänge zu dieser Sportart haben, ein besonderes Erlebnis ermöglichen. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2025 fand vom 18. bis 21. September 2026 unser zweites inklusives Surf-Camp in Hörnum auf Sylt statt. Zwölf Teilnehmende im Alter von 29 bis 65 Jahren erlebten gemeinsam mit vier Betreuer*innen die Faszination des Wellenreitens. Unter Anleitung einer erfahrenen Surfschule lernten sie an zwei Tagen die Grundlagen des Surfens – von der Theorie über Trockenübungen am Strand bis zum Ausprobieren im Wasser. Neben dem Wellenreiten besuchten wir auch das Nationalpark-Haus Arche Wattenmeer und erfuhren mehr über das Wattenmeer und seinen Schutz – auch das gehört für uns zum Surfen. Surfen bietet Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung vielfältige positive Effekte. Auf körperlicher Ebene werden Koordination und Rumpfstabilität trainiert, und motorische Einschränkungen können spielerisch verbessert werden. Wasser, Wellen und Wind sprechen zudem viele Sinne gleichzeitig an und fördern so Körpergefühl und sensorische Verarbeitung. Mindestens ebenso wichtig sind die Wirkungen auf Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein. Eine Welle zu reiten ist ein spürbarer Erfolg, der stolz macht und dazu anregt, Unsicherheiten und vermeintliche Grenzen im Alltag neu einzuschätzen. Viele Teilnehmende erleben beim Surfen zum ersten Mal, dass ihnen etwas Anspruchsvolles zugetraut wird. Auch die Selbstbestimmung wird gestärkt: Wer im Wasser eigene Entscheidungen trifft (Welle wählen, Tempo, Pausen), erlebt sich als handlungsfähig. Nicht zuletzt wirken das Naturerlebnis und die Konzentration auf den Moment beruhigend. Dass unser Surf-Camp auch nachhaltig wirkt, zeigen diese Beispiele von zwei unserer Teilnehmer*innen: Vor dem Surf-Camp traute die gesetzliche Betreuerin eines Teilnehmers ihm das Surfen kaum zu und bezweifelte sogar seine Schwimmfähigkeit. Um teilnehmen zu können, legte er das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze ab. Im Camp gehörte er schließlich zu denjenigen, die besonders viel Zeit im Wasser und in den Wellen verbrachten. Diese Erfahrung stärkte sein Selbstvertrauen nachhaltig: Er erlebte, dass er anspruchsvolle Herausforderungen meistern kann, und begegnet heute sowohl sich selbst als auch seiner Betreuerin mit größerer Selbstsicherheit. Das Beispiel zeigt, wie inklusiver Sport dabei hilft, Vorurteile zu überwinden und eigene Fähigkeiten neu zu entdecken. Eine Teilnehmerin, die im Alltag häufig Ängste erlebt, berichtete beim Nachtreffen, dass sie sich seit dem Surf-Camp mehr zutraut und an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Die Erfahrung, sich auf eine neue sportliche Herausforderung einzulassen, hat sie darin bestärkt, eigene Grenzen zu hinterfragen und Unsicherheiten zu überwinden. Auch ihr Partner, der ebenfalls am Camp teilnahm, wurde nachhaltig motiviert: Er kaufte sich ein gebrauchtes Surfboard, um künftig auch im Urlaub surfen zu können. Beide Beispiele verdeutlichen, dass das Surf-Camp weit mehr als ein einmaliges Sporterlebnis bietet. Es stärkt Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit und ermutigt die Teilnehmenden, sich auch im Alltag und bei weiteren sportlichen Aktivitäten mehr zuzutrauen. Zugleich schafft das gemeinsame Surfen Gemeinschaft und ermöglicht Menschen mit Behinderung eine besondere Form aktiver, gleichberechtigter Teilhabe am Sport. Und das Schönste an unserem Surf-Camp: Es ermöglicht nicht nur Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung, sondern auch Begegnung von Jung und Alt sowie von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Geleitet wurde das Surf-Camp von zwei Sportlotsinnen sowie von zwei ehrenamtlichen Betreuerinnen, die eine kleine Aufwandsentschädigung erhielten. Die Surfschule auf Sylt stellte ebenfalls gegen eine Aufwandsentschädigung ihre Surflehrer*innen zur Verfügung. Nur so war es uns möglich, das Surf-Camp für einen sehr günstigen Preis anzubieten, sodass auch Menschen mit niedrigen Einkommen teilnehmen können. Für einen unserer Teilnehmer war das Surf-Camp sein erster Urlaub überhaupt. Sowohl unser Surf-Camp 2025 als auch das diesjährige Surf-Camp waren ausgebucht, was das große Interesse an einem solchen neuen Angebot verdeutlicht. Mit dem Preisgeld könnten wir dieses Angebot ausbauen und öfter anbieten. Dadurch würden noch mehr Menschen mit Behinderung von einem Sportangebot profitieren, welches nicht nur dem Körper guttut, sondern darüber hinaus auch das Selbstbewusstsein stärkt sowie das Gefühl, Teil einer bunten Gemeinschaft zu sein.