Klangstrolche – Musik für jedes Kind
Stiftung Kulturpalast Hamburg
Billstedt, Hamburg

Die Klangstrolche sind ein Projekt der Stiftung Kulturpalast Hamburg, das seit 2007 Kindern im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund eine musikalische Frühförderung anbietet. Jährlich erreicht das Projekt mehr als 2.000 Kinder. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf benachteiligten Stadtteilen wie Billstedt oder Harburg, in denen viele Familien mit niedrigem oder niedrigerem sozioökonomischem Status leben. (Die Klangstrolche sind jedoch auch in Niendorf vertreten.) Sozioökonomische Ungleichheiten können bereits im frühen Kindesalter mit unterschiedlichen Bildungs- und Entwicklungschancen einhergehen. Teilweise fehlende oder unzureichende Deutschkenntnisse, fehlendes Wissen über Fördermöglichkeiten sowie ein begrenzter Zugang zu entsprechenden Angeboten können bestehende Ungleichheiten zusätzlich verstärken und zu ihrer Persistenz beitragen. Genau hier setzen die Klangstrolche an und verfolgen einen mehrdimensionalen Ansatz zur musikalischen Frühförderung: • In Kitas und Eltern-Kind-Einrichtungen bringen Musikpädagog*innen den Kindern unter Verwendung der Klangstrolch-Methode (mehr Informationen unter dem Abschnitt „Methode“) das Orffsche Instrumentarium (einfache Schlag-, Rhythmus- und Melodieinstrumente) sowie internationale Kinderlieder näher. Dadurch können sprachliche kognitive, soziale und motorische Kompetenzen der Kinder gestärkt werden. • Daneben bietet das Projekt Klangstrolche den teilnehmenden Kindern kulturelle Bildung durch Musik und Kultur zum Erleben (Theater-, Konzert- sowie Workshopbesuche etc.) an. Hintergrund und Bedarf In Stadtteilen wie Billstedt und Harburg, in denen die Stiftung Kulturpalast Hamburg seit über 45 Jahren tätig ist, ist die sozioökonomische Lage vieler Menschen nachweislich benachteiligt. Laut dem Sozialmonitoring „Integrierte Stadtteilentwicklung“ der Freien und Hansestadt Hamburg (Maaß & Huang, 2024, S. 90) weisen diese Gebiete besonders niedrige Statusindizes auf: In Billstedt liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in einigen Gebieten um bis zu 1,8 Standardabweichungen (SD = 19,9 %) über dem Hamburger Durchschnitt von 54,7 %. (Bericht 2024, ab S. 90). Diese Kinder sind häufig von Sprachdefiziten betroffen und bringen bei Schuleintritt geringe oder keine Deutschkenntnisse mit, was ihre Bildungswege erschwert. Laut einer Modellberechnung der OECD könnte es bis zu sechs Generationen dauern, bis Kinder aus einkommensschwachen Haushalten das mittlere Einkommen erreichen (OECD, 2018, S. 27). In Hamburgs sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen sind schulische und frühkindliche Bildungseinrichtungen oft unterfinanziert, wodurch gezielte Fördermaßnahmen fehlen. Gleichzeitig sind viele Kinder und Jugendliche aufgrund von finanziellen und sprachlichen Barrieren vom Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten ausgeschlossen. Das Projekt „Klangstrolche – Musik für jedes Kind“ bietet hier eine wertvolle Möglichkeit der Frühförderung, die ohne Sprachbarrieren zugänglich ist. Projektziel und Nutzen Das Projekt „Klangstrolche – Musik für jedes Kind“ bietet eine inklusive Möglichkeit der musikalischen Frühförderung. Im Rahmen des Programms erleben Kinder, wie sie ihre Sprachfähigkeiten, sozialen Kompetenzen und motorischen Fertigkeiten durch Musik entwickeln können. Musikalische Frühförderung hat positive Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung, wie z. B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprachverständnis. Auch die sozialen Fähigkeiten der Kinder, wie Empathie, Teamarbeit und Kommunikation können durch das gemeinsame Musizieren gestärkt werden. Die Teilnahme am Projekt „Klangstrolche – Musik für jedes Kind“ kann nicht nur die sprachliche und soziale Entwicklung positiv beeinflussen, sondern den Kindern auch helfen, Stress abzubauen und emotionale Stabilität zu erlangen. Das Projekt ist besonders wertvoll für Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen, da es ihnen eine niedrigschwellige Möglichkeit bietet, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Ein weiterer Baustein der Klangstrolche ist die Vermittlung von musikkultureller bzw. kultureller Bildung. Als Klangstrolche (so werden alle teilnehmenden Kinder des Projekts „Klangstrolche – Musik für jedes Kind“ genannt) nehmen die Kinder nicht nur an den Klangstrolch-Kursen in der jeweiligen Kita oder Eltern-Kind-Einrichtung teil, sondern sie erhalten auch ein vielfältiges Angebot an Kindertheatern, Kinderkonzerten sowie Workshops außerhalb der eigenen Einrichtung. Unter diesen Angeboten stechen vor allem zwei besonders hervor: Das Gipfeltreffen sowie der Kongress der Klangstrolche. Beim Gipfeltreffen der Klangstrolche, einem jährlich stattfindenden Benefiz-Mitmachkonzert, kommen Kinder unterschiedlichster Kitas aus ganz Hamburg in der Laeiszhalle unter einem Dach zusammen. Für viele dieser sozioökonomisch benachteiligten Kinder eröffnet der Besuch der Laeiszhalle einen Zugang zu einem historisch bedeutungsvollen Teil der Musikkultur, den sie ohne die Klangstrolche vielleicht niemals kennengelernt hätten. Der Kongress der Klangstrolche, der jeweils während der Hamburger Frühjahrsferien sowie während der Herbstferien stattfindet, ist eine Workshopwoche für Kinder im Kultur Palast Billstedt (Stadtteilkulturzentrum und Geschäftsstelle der Stiftung Kulturpalast Hamburg) bzw. Kultur Palast Harburg (Bürgerhaus und zweites Haus der Stiftung). Innerhalb dieser Woche beschäftigen sich die Kinder in verschiedenen Workshops mit abwechselnden Themen in den Bereichen Musik, Tanz und Bewegung. Methode Die Klangstrolch-Methode zeichnet sich durch ihren innovativen, ganzheitlichen und inklusiven Ansatz musikalischer Frühförderung aus. Seit 2007 verfolgt das Projekt „Klangstrolche – Musik für jedes Kind“ das Ziel, allen Kindern unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund einen frühzeitigen Zugang zu Musik und kultureller Bildung zu ermöglichen. Leitend dabei ist die Überzeugung, dass musikalische Bildung bereits in den ersten Lebensjahren entscheidend zur sprachlichen, motorischen, sozialen und kognitiven Entwicklung von Kindern beitragen und somit ihre Bildungs- und Zukunftschancen nachhaltig verbessern kann. Musikpädagogisch innovativ im Rahmen der eigenen Musikmethode ist die Verbindung mit aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen wie Diversität, Mehrsprachigkeit, kultureller Teilhabe und Nachhaltigkeit. Die Klangstrolch-Methode integriert internationale Kinderlieder und musikalische Ausdrucksformen verschiedener Kulturen und schafft dadurch einen niedrigschwelligen Zugang für Kinder mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen. Ein weiterer innovativer Kern der Methode liegt in der Orientierung an der Music Learning Theory von Edwin E. Gordon. Analog zum natürlichen Spracherwerb lernen Kinder Musik zunächst über intensives Hören, bevor sie selbst musikalisch aktiv werden. Durch Nachahmung, Wiederholung und improvisatorisches Ausprobieren entwickeln sie schrittweise musikalische Ausdrucksfähigkeit und Selbstvertrauen. Dieser, im Rahmen eines Pilotprojektes mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, bereits erfolgreich erprobte Ansatz ermöglicht insbesondere Kindern mit sprachlichen oder körperlichen Beeinträchtigungen einen entwicklungsrechten und spielerischen Zugang zu Musik. Die Klangstrolch-Methode verbindet dabei wissenschaftlich fundierte musikpädagogische Erkenntnisse mit einer klaren Praxisorientierung. Wiederkehrende Rituale, bewusst eingesetzte Stille, vielfältige musikalische Impulse sowie die Verbindung von Musik und Bewegung schaffen eine strukturierte und zugleich offene Lernumgebung. Dadurch entsteht ein nachhaltiges musikpädagogisches Konzept, das individuelle Entwicklung fördert, kulturelle Vielfalt sichtbar macht und Musik als Mittel soziale Teilhabe stärkt. Wissenschaftliche Fundierung und Erfolge Frühkindliche Musikförderung kann vielfältige positive Effekte auf die kognitive, sprachliche und soziale Entwicklung von Kindern haben. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen musikalischer Förderung und der Entwicklung von Sprachverständnis und Ausdrucksfähigkeit sowie emotionaler Resilienz und soziale Kompetenzen. Auch unsere jährlichen Evaluationen im Rahmen unseres Wirkungsberichts konnten Hinweise auf die entsprechenden Entwicklungen bei den teilnehmenden Kindern liefern. Das Projekt wurde zudem mit dem „PHINEO-Wirkt-Siegel“ ausgezeichnet, das die hohe Qualität und das nachgewiesene Wirkungspotenzial unseres Programms bestätigt. Auch in den Hamburger Bildungsleitlinien für die pädagogische Arbeit in Kitas werden die Klangstrolche neben Projekten der Elbphilharmonie und der Hamburger Staatsoper empfohlen (Dreier, A. et al., 2024, S.55). In den letzten Jahren haben mehr als 2.000 Kinder jährlich von diesem Angebot profitiert und deutliche Fortschritte in ihren sprachlichen und sozialen Fähigkeiten gemacht. Fazit Das Projekt „Klangstrolche“ bietet den Kindern eine wertvolle Möglichkeit der frühkindlichen musikalischen Förderung ohne Zugangsvoraussetzungen wie Sprachkenntnisse. Gerade in sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen wie Billstedt oder Harburg, in denen der Zugang zu bildungsfördernden Angeboten begrenzt ist, bietet das Projekt eine nachhaltige Chance zur Verbesserung der Lebensperspektiven der Kinder. Wir sind überzeugt, dass die Klangstrolche einen wichtigen Beitrag zur sozialen Inklusion und Chancengleichheit leisten.