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Kultur & Sport

Gelebte Inklusion - Von und für Menschen mit Behinderungen

Hilldegarden e.V.

Sankt Pauli, Hamburg

Rundes Fanclub-Schild in Braun und Weiß, Skull-Logo in der Mitte, unten bunte Buchstaben VIELFALT.

Ein kaputter Fahrstuhl am Bahnhof, eine verschlossene Behindertentoilette oder eine unzugängliche S-Bahn-Station reichen oft schon aus. Der Ausflug zum Fußballspiel, das Konzert oder der Weg auf den Grünen Bunker wird für viele Menschen spontan unmöglich. Wir vom Hilldegarden e.V. machen Kulturarbeit im Stadtteil. Wir stellen Stadtteilflächen im grünen Aufbau des ehemaligen Flakturms an der Feldstraße bereit und bauen Schritt für Schritt einen Erinnerungsort auf, damit die nationalsozialistische Vergangenheit des Bauwerks aufgearbeitet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das historische Bauwerk repräsentiert ein menschenverachtendes Regime, das auf Ausgrenzung und sogar auf die Ermordung von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet war. Aber auch die inklusive Nutzung des neuen begrünten Aufbaus ist nicht selbstverständlich möglich, obwohl das im städtebaulichen Vertrag zur Aufstockung des Flakturms so vorgesehen ist. Wir haben uns bereits intensiv dafür eingesetzt, dass der öffentlich zugängliche Dachgarten auch wirklich zugänglich ist – gemeinsam mit dem Fanclub FC Braun-Weiße-Vielfalt konnten wir dies erreichen. Nun wollen wir unsere Kooperation ausbauen und viele praktische Schritte unterstützen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft des Flakturms nötig sind, damit das Ziel der echten Inklusion weiter vorangetrieben werden kann. Der Fanclub hat sich im November 2019 auf der Rollstuhltribüne am Millerntor gegründet. Inzwischen gehören 180 Menschen dazu, darunter Rollstuhlfahrende, Menschen mit verschiedensten Behinderungen, Angehörige und Freunde. Das Besondere ist, dass der Vorstand von Tag eins an komplett aus Betroffenen selbst besteht. Bei der Braun-Weißen-Vielfalt vertritt man die eigenen Anliegen selbstbewusst, unabhängig und auf Augenhöhe. Gemeinsam haben wir schon konkrete Verbesserungen durchgesetzt, wie die ungehinderte Nutzungsmöglichkeit des barrierefreien Fahrstuhls zum Dachgarten des Bunkers. Oft entscheidet aber der praktische Alltag im Stadion. Der Fanclub hat Taster-Türen an den WCs auf der Haupttribüne im Stadion vom FC St. Pauli durchgesetzt, damit niemand um Hilfe bitten muss. Auf der Rollstuhltribüne gibt es durch den Einsatz des Fanclubs jetzt auch Steckdosen für E-Rollstühle und andere medizinische Geräte. Sogar an einfache Becherhalter an den Plätzen hat der Fanclub gedacht und dieses ermöglicht, damit niemand mehr sein Getränk auf dem Schoß balancieren muss. Barrieren gibt es genauso bei der Information und im Alltag. Damit niemand isoliert bleibt, hilft sich der Fanclub direkt. Per Sprachnachricht informieren sich die Mitglieder sofort, wenn Aufzüge an Bahnhöfen ausfallen. Der Verein nimmt Nicht-Lesekundige mit, hält Vorträge über Leichte Sprache und arbeitet im Inklusionsbeirat Hamburg-Nord mit. Die Vorsitzende übersetzt seit sechs Jahren ehrenamtlich Texte des FC St. Pauli in Leichte Sprache. Als nächstes Projekt plant der Fanclub mit dem Autor Nils Oskamp eine Ausstellung zur Graphic Novel „Drei Steine“. Im Hilldegarden e.V. möchten wir diese Vernetzung weiter fördern und uns auch aktiv beteiligen. Von unseren Vereinsräumen aus schauen wir direkt zum Stadion – das ist uns ein permanenter Ansporn, die Kooperation weiter voranzutreiben. Die Vernetzung feiern wir dieses Jahr gemeinsam in unseren Vereinsräumen im Level 4 des grünen Aufbaus zusammen mit den St. Pauli Inklusionskickern und dem Fanclub Ankerplatz. Bei den St. Pauli Inklusionskickern spielen Menschen mit und ohne Behinderung, mit ganz unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, gemeinsam in der Bunten Liga. Die Verbindungen untereinander sind daher sehr eng. Mitglieder der Braun-Weißen-Vielfalt kicken dort selbst aktiv mit, während der Fanclub Ankerplatz die Organisation am Spielfeldrand übernimmt. Genau das ist für uns ehrliche, gelebte Nachbarschaft. Die Arbeit des Fanclubs Braun-Weiße-Vielfalt läuft zu 100 Prozent ehrenamtlich und über Spenden. Was für andere jedoch ein spontaner Ausflug ist, bedeutet für die Mitglieder oft Wochen an Planung, Bürokratie und hohe Zusatzkosten. Damit niemand aus finanziellen Gründen zu Hause bleibt, liegt der Mitgliedsbeitrag bei symbolischen 5 Euro im Jahr. Dafür nutzen wir das Preisgeld Sollten wir den Nachbarschaftspreis gewinnen, fließt das Geld ohne Abzüge direkt in konkrete Hilfe vor Ort, wie es vom Fanclub angezeigt wird. ● Wir beschaffen wetterfeste Spezial-Regenponchos, damit Rollstuhlfahrende bei Hamburger Schietwetter im Stadion trocken bleiben und dabei sein können. ● Wir zahlen Fahrzuschüsse für barrierefreie Spezialtransporte, damit auch finanziell schwächere Mitglieder des Fanclubs bei Auswärtsfahrten mitkommen können. ● Wir erstellen Infomaterialien in Leichter Sprache, um Informationen für alle verständlich und zugänglich zu machen. Mit dem Preisgeld unterstützen Sie somit kein theoretisches Konzept, sondern direkte Teilhabe und echte Selbstbestimmung für 180 Menschen mitten in Hamburg.