Der Schritt Vorwärts - Ein Weg aus dem Abseits
Leben im Abseits e. V.
St. Pauli, Hamburg

„Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es eine Wohnung…“ – Wir schaffen Perspektiven für obdachlose Menschen Auf der Straße leben zu müssen bedeutet für diese Menschen, täglich um die einfachsten Dinge wie Essen, einen Schlafplatz oder Hygienemöglichkeiten kämpfen zu müssen. Gerade in einem Stadtteil wie St. Pauli ist dieser Kampf täglich sichtbar: Zwischen Feiernden, Anwohnern und Geschäftstreibenden begegnet man obdachlosen Menschen, die mit unglaublich viel Ausdauer, Stärke und Kreativität ihren schweren Alltag meistern. Der Verein Leben im Abseits e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen zu unterstützen und Perspektiven aufzuzeigen. Gemeinsam mit Vielen übernehmen wir Verantwortung und stehen zusammen für eine solidarische Stadt ein. Gerade in Zeiten eines schwächer werdenden Sozialstaats darf die Unterstützung der Schwächsten nicht kleiner werden. Mit unserem Projekt „Der Schritt Vorwärts – Ein Weg aus dem Abseits“ stellen wir ein niedrigschwelliges Angebot zur Verfügung, das einigen Menschen eine Perspektive heraus aus dem Leben auf der Straße bietet. Das Projekt wurde im Mai 2021 ins Leben gerufen, um Einzelunterbringung und Betreuung obdachloser Menschen für einen Übergangszeitraum zu organisieren. Wir glauben, dass der erste Schritt zur Rückkehr in ein geregeltes Leben die Ruhe und Sicherheit einer Einzelunterkunft ist. Unser Ziel ist daher die Wiedereingliederung obdachloser Menschen ins Regelsystem. Unser Weg setzt dabei auf Einzelzimmer im Hotel mit sozial unterstützender Arbeit und der Hilfe von Sozialarbeitenden und anderen Experten. Die Zeit der Unterbringung wird genutzt, um gemeinsam mit Sozialarbeitenden und den Teilnehmenden eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Die Vermittlung von Wohnraum ist dabei ein Hauptbestandteil dieser Bestrebung. Das Projekt basiert auf einer niedrigschwelligen Aufnahme der Teilnehmenden ohne komplexe Voraussetzungen, da wir glauben, dass eine sichere und ruhige Unterkunft die Grundlage für die Lösung vieler Probleme ist. Die Menschen gewinnen ihre Würde zurück und können in ihrem eigenen Tempo Betreuung erfahren und annehmen. Diese Möglichkeiten vor Augen, gelingt es den meisten Menschen, ihr Leben wieder selbstbestimmt meistern zu können. Seit Mai 2021 konnten wir 46 Menschen im Hotel Schanzenstern Altona unterbringen und betreuen. 37 verließen das Hotel wieder, weil sie eine dauerhafte Unterkunft oder Plätze in weiterführenden Projekten fanden. Das entspricht einer Erfolgsrate von knapp 80%. Aus unserer Sicht ein schöner Erfolg, es besteht aber immer dringender Bedarf und der Wechsel der Gäste ist schnell: es stehen fünf Hotelzimmer zur Verfügung, die ständig belegt sind. Das Projekt hat uns in den letzten fünf Jahren deutlich gezeigt, dass dieses Konzept funktioniert. Es ist jedoch für unseren kleinen Verein ein kostenintensives Unterfangen die Zimmer im Hotel dauerhaft anzumieten. Wie in allen Bereichen steigen die Kosten hier, trotz des Bemühens aller dies abzufangen, stetig an. Das Preisgeld wäre für uns ein wichtiger Beitrag zur Fortführung dieses erfolgreichen Projekts, mit dem wir obdachlosen Menschen wirklich nachhaltige Hilfe anbieten können. Der Verein „Leben im Abseits e. V.“ Wir setzen uns aktiv dafür ein, die Stigmatisierung obdachloser Menschen abzubauen. Im Zentrum unserer Arbeit steht die Überzeugung, dass Solidarität in der Gesellschaft nach wie vor vorhanden ist, jedoch oft durch Vorurteile und mangelndes Wissen eingeschränkt wird. Durch gezielte Aufklärungs- und Bildungsangebote wirken wir diesen Barrieren entgegen. Prävention ist ein wichtiger Baustein für die Überwindung von Obdachlosigkeit in unserer Gesellschaft. Mit unserem Bildungsangebot und der Öffentlichkeitsarbeit streben wir an, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Veränderungen und ein Umdenken zu erzielen, Hemmschwellen im Umgang mit Bedürftigen abzubauen und einen respektvollen Umgang mit ihnen zu fördern. Denn eines ist sicher - die Maschen des sozialen Netzes werden immer größer und Bedürftigkeit wird in den nächsten Jahren verstärkt zunehmen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht zudem die direkte Hilfe und Unterstützung obdachloser und bedürftiger Menschen. Wir begegnen jedem Menschen mit Respekt und Wertschätzung – unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion oder sozialer Stellung. Wir geben dem Thema Obdachlosigkeit ein Gesicht, klären über dieses komplexe Thema auf und versuchen, ein Wegweiser für Obdachlose, Bedürftige aber auch für interessierte Mitmenschen zu sein, deren Anliegen es ist, Bedürftige und Obdachlose zu unterstützen. Aktuelle Veränderungen in der Straßensozialarbeit sowie Kürzungen bei Förderungen für Hilfsprojekte lassen derzeit nur wenig Vertrauen in einen politischen Veränderungswillen beim Thema Obdachlosigkeit entstehen. Wir sind daher weiter im Stadtteil aktiv, um konkrete Hilfe bereit zu stellen und auf das Leben der Menschen aufmerksam zu machen, die oft im Abseits stehen.