Westwind Schraublabor

Die Kernidee von Westwind war, bedürftigen Menschen schnell, unbürokratisch und kostenfrei Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Doch schon früh reifte der Gedanke, noch einen Schritt weiterzugehen und das gemeinsame Werkeln an den Fahrrädern mit einem Bildungsangebot zu verknüpfen: wir wollen jungen Menschen die Chance geben, ihre Potentiale zu entdecken und die Arbeitswelt in einer Fahrradwerkstatt kennenzulernen.

Deshalb bieten wir – in Kooperation mit allgemeinbildenden und Berufsschulen – seit April 2017 Schülerpraktika in unserer Fahrradwerkstatt an. Bei uns lernen die Schüler nicht nur die Basics wie Reifen flicken oder Licht reparieren, sondern es geht auch ans Eingemachte. Mit Hilfe eines Inspektionsprotokolls werden die gespendeten Fahrräder gewartet und verkehrssicher gemacht. Die Schüler lernen also unter Anweisung und später auch selbstständig die Wartung und die Reparatur eines Fahrrads durchzuführen. Jugendliche erhalten die Chance, sich in Schule und Betrieb auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten.

Neben dem Kennenlernen des Berufs des Fahrradmechanikers geht es besonders für zugewanderte Jugendliche auch um den Erwerb der deutschen Sprache im betrieblichen Kontext.

Unsere Zielgruppe sind junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die mit Hilfe eines Praktikums Orientierung und erste Erfahrung in der Arbeitswelt suchen, ebenso wie erwachsene Geflüchtete die ihre Berufspraxis und Sprachkenntnisse ausbauen wollen. Menschen aus unterschiedlichen Sozial-, Kultur- und Sprachräumen; Jesiden und Muslime, Kurden und Eriträer, junge Frauen und junge Männer werden bei uns gemeinsam betreut und erleben den gemeinsamen Erfolg, wenn ein altes Rad wieder voll funktionstüchtig wird.

Seit April 2017 haben 14 junge Menschen ihr Praktikum bei uns absolviert und einen Einblick in den Beruf des Fahrradmechanikers bekommen, die deutsche Sprache geübt, Fachbegriffe gelernt und in einem entspannten Umfeld erfahren, was es heißt gemeinsam etwas zu schaffen.

Zum Abschluss des Praktikums absolvieren die Jugendlichen eine Prüfung, deren Ergebnis in die Schulzensur einfließt. So stellen die Schülerinnen und Schüler mit beispielhaften Reparatur Ihren Lernerfolg dar und beweisen, dass die erlernte praktische Fertigkeit auch mit theoretischem und sprachlichem Wissen unterfüttert ist.