Künstlerkolonie Groß Borstel – Band 2

Kategorie: Kultur & Sport

In Groß Borstel, der ehemaligen Sommerfrische vor den Toren Hamburgs, sind zahlreiche sowohl bekannte als auch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler geboren worden, haben hier gelebt, gearbeitet oder sind im Stadtteil verstorben. In den letzten Jahren haben wir durch intensive Nachforschungen, oder auch zufällig, viele neue Informationen zu bisher noch unbekannten Kunstschaffenden herausgefunden und zusammengetragen. Die Liste aller Kunstschaffenden ist inzwischen auf 25 Künstlerinnen und Künstlern angewachsen.

Die neuen Kenntnisse rücken Groß Borstel als kleine „Künstlerkolonie“ in ein ganz neues Licht. Neben dem urtümlichen dörflichen Charakter, der ehemaligen Sommerfrische vor den Toren Hamburgs, den illustren Lustgärten standen das Leben und Wirken unserer regionalen Künstlerinnen und Künstler eher im Schatten. Das möchten wir u.a. mit unseren Büchern ändern und damit zusätzliche Identifikation mit „unserem Dorf“, wie es bisher oftmals noch genannt wird, schaffen.

Ein erstes Buch „Künstlerkolonie Groß Borstel“ wurde im Herbst 2020 herausgebracht (ISBN 978-3-934417-40-3). Es skizziert den künstlerischen wie auch privaten Werdegang von zunächst 12 Künstlerinnen und Künstlern. Das längst vergriffene Buch (250 Exemplare) löste zahlreichen Rückmeldungen im Stadtteil aus und wurde in der „Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte“ in einer Rezension vorgestellt. Diese positiven Reaktionen führten dazu, einen zweiten Band der „Künstlerkolonie Groß Borstel“ über weitere 12 Personen aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Dichtung zu planen, der noch in diesem Jahr herausgegeben werden soll. Neben dem künstlerischen Wirken werden insbesondere auch das gesellschaftliche und politische Umfeld beleuchtet und stellen damit eine erstmalige und einzigartige Dokumentation dar. Hervorzuheben ist, dass sich eine Arbeitsgruppe der Modernen Schule Hamburg mit einem Beitrag beteiligt. Im Rahmen eines Projektes werfen drei Schülerinnen und ein Schüler der Oberstufe einen Blick auf das Leben von Esther Bejarano, die auch Ehrenmitglied der Initiative Marcus und Dahl e.V. ist.

Dieser zweite Band „Künstlerkolonie Groß Borstel“ soll in einer Auflage von 350 Exemplaren erscheinen und wird auch im Buchhandel erhältlich sein. 150 Exemplare wollen wir hier im Stadtteil zum Preis von 19,80 € verkaufen. Dieser Preis liegt deutlich unter den Herstellkosten. Damit soll allen Interessenten die Teilhabe an den kulturellen Schätzen des Stadtteil ermöglicht werden. Die vielen positiven Rückmeldungen zum ersten Band zeigen deutlich, wie sehr die Kenntnis dieser kulturellen Schätze und Wurzeln das WIR-Gefühl der Menschen im Stadtteil fördert. Aufgrund des starken Zuzugs neuer Bürger nach Groß Borstel (u.a. Neubaugebiete Tarpenbeker Ufer, Ehem. Strüver-Gelände) kann dieses Buch zum Einleben und Wohlfühlen im Stadtteil sowie Identifikation, Wertschätzung und persönlichem Engagement beitragen. Darüber hinaus erhoffen wir uns neue, bisher unbekannte Rückmeldungen und Informationen zum künstlerischen Wirken im Stadtteil, die uns zu weitere Recherchen und Veröffentlichungen ermöglichen.

Über uns: Initiative Marcus und Dahl e.V. (IMuD)

Gert Marcus (1914 – 2008) und sein Bruder Ingolf Dahl (1912 – 1970) sind in Groß Borstel in der Violastraße 10 (heute Köppenstraße) geboren und aufgewachsen. Als Jugendliche sind sie aufgrund der jüdischen Abstammung des Vaters, Dr. Paul Marcus, und dessen Verfolgung durch die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren aus Groß Borstel geflohen. Sie wurden international anerkannte Künstler: Gert Marcus als Maler und Bildhauer im Geburtsland seiner Mutter in Schweden, sein Bruder Ingolf Dahl als Komponist, Pianist und Dirigent in den USA. In Deutschland waren sie, selbst bei Experten, kaum bekannt und wurden 2015 eher zufällig wiederentdeckt.

Dies veranlasste Ende 2017 Mitglieder des Kommunalvereins, der Kirchengemeinde St. Peter und der Freunde des Stavenhagenhauses zur Gründung der Initiative Marcus und Dahl e.V., um das Leben, Werk und Wirken von Künstlerinnen und Künstlern, die in Groß Borstel geboren sind oder gelebt haben, durch Veröffentlichungen, Veranstaltungen und/oder Installation ausgewählter Kunstwerke im öffentlichen Raum zu würdigen und im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bewahren. Mit dieser Erinnerungskultur sollen auch Zeichen gesetzt werden gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassenhass und Antisemitismus sowie für Integration und Toleranz.

In diesem Sinne wurden bisher folgende Schwerpunkte gesetzt:

  1. Um die international anerkannten Leistungen von Gert Marcus als Maler und Bildhauer hier in seiner Heimatstadt Hamburg nachhaltig in Erinnerung zu rufen und zu würdigen, ist es gelungen, im Neubaugebiet Tarpenbeker Ufer 2018 die „Gert-Marcus-Straße“ einzurichten. Zusätzlich ist die Installation des Kunstwerks „Centripetal & Centrifugal“ von Gert Marcus im Neubaugebiet vorgesehen, zwei 4 Meter hohe Stelen aus schwarzem und weißem Granit.
  2. Ingolf Dahl, der ältere Bruder von Gert Marcus, hat erst in den USA den Namen seiner Mutter „Dahl“ angenommen und seine deutschen Wurzeln konsequent verschwiegen. Das Wiederentdecken seiner Musik geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Klavierduo Friederike Haufe und Volker Ahmels (beide Gründungsmitglieder der IMuD), die mit ihrer reichhaltigen professionellen Expertise das Wirken in den USA aufgearbeitet und in Deutschland bekannt gemacht haben. Das bei YouTube eingestellte  Filmkonzert „Serenade trifft Blues“ mag einen kleinen Eindruck vermitteln.
  3. Über das Leben und Wirken zahlreicher anderer Künstlerinnen und Künstler wurden und werden die Groß Borstelerinnen und Groß Borsteler sowie interessierte Bürger der umliegenden Stadtteile in Vorträgen, Büchern und im Internet unter marcus-und-dahl.de regelmäßig informiert.

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