Gefangene helfen Jugendlichen

Kategorie: Gesellschaft & Soziales

Gefangene helfen Jugendlichen e.V. (GHJ) bietet seit über 20 Jahren gewalt- und kriminalpräventive Projekte für Jugendliche an. Die Besonderheit dabei ist, dass diese Projekte von ehemaligen und noch Inhaftierten durchgeführt werden und somit durch eine hohe Authentizität gekennzeichnet sind. Dadurch kann ein anderer Zugang zu den Jugendlichen erreicht werden als bei klassischen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Idee von Gefangene helfen Jugendlichen e.V. entstand 1996 in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel – auch als Santa Fu bekannt. Drei Inhaftierte, darunter der heutige Geschäftsführer Volkert Ruhe, saßen zusammen und haben überlegt, wie sie Jugendliche davor bewahren können, die gleichen Fehler wie sie selbst zu begehen. Nach viel Überzeugungs- und Zusammenarbeit in Kooperation mit der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, Polizei sowie der Justizbehörde fand zwei Jahre später, also 1998, der erste erfolgreiche JVA-Besuch mit einer Gruppe Jugendlicher statt. Nach der Vereinsgründung im Jahr 2001 wurde der Verein 2005 als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt.

Das langfristige Ziel von GHJ ist es, gefährdete Jugendliche durch die Verdeutlichung der enorm negativen Folgen vor einem Abrutschen in die Kriminalität zu bewahren und eine positive Verhaltensänderung sowie berufliche Zukunftsperspektiven zu bieten. Zugleich unterstützt GHJ durch den Einbezug von (ehemaligen) Inhaftierten diese bei der Resozialisierung.

Um dieses Ziel mit gesamtgesellschaftlichem Mehrwert zu erreichen, hat GHJ folgende Angebote geschaffen:

  • Besuche von Justizvollzugsanstalten sind das Kernprojekt des Vereins, bei denen stark gefährdete Jugendliche einen realistischen Einblick in das Leben hinter Gittern erhalten und im Austausch mit Inhaftierten hautnah erleben können, welche Konsequenzen straf-fälliges Verhalten mit sich bringt
  • Schulpräventionsunterrichte werden für Schulklassen und Jugendgruppen angeboten, in denen ehemalige Inhaftierte von ihrem Leben und den Konsequenzen ihrer Taten berichten. Hierbei kann entweder ein Schwerpunkt auf das Thema Gewalt- und Kriminalprävention, Suchtprävention oder (Cyber-) Mobbing gelegt werden
  • Multimodale Anti-Gewalt-Trainings, die unter Anwendung lerntheoretischer Methoden Jugendliche dazu befähigen, Konfliktsituationen rechtzeitig zu erkennen, einzuschätzen und durch deeskalierende Konfliktlösungsstrategien zu vermeiden
  • Pädagogisches Boxen, das die soziale, emotionale und körperliche Entwicklung stärken soll und die Teilnehmenden lernen, ihre eigenen Grenzen zu kennen und die Grenzen der anderen zu respektieren
  • Deeskalationstrainings sowohl für Jugendliche mit hohem Aggressions- und Konfliktpotential als auch für Mitarbeitende von Jugendhilfeeinrichtungen, in denen Handlungsmöglichkeiten für gefährlichen Situationen erarbeitet werden
  • Multiplikatorenveranstaltungen, die für Fachkräfte und Interessierte im Jugendhilfebereich angeboten werden, um die Vereinsarbeit vorzustellen und Interventionsperspektiven zu erweitern

Durch die Umstände der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen ist es uns gelungen, darüber hinaus ein weiteres Angebot zu schaffen:

  • Mit dem Online-Präventionsunterricht knüpfen wir an unseren seit über 20 Jahren erfolgreichen Offline-Präventionsunterricht an. Der Unterricht findet per Videokonferenz mit den Teilnehmenden statt. Unsere Mitarbeiter klären Jugendliche, Schüler und Lehrkräfte über Haftbedingungen, das Leben in Haft, das Abrutschen in das kriminelle Milieu, Jugendgewalt und über Erfahrungen ehemaliger Inhaftierter auf.

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